
Fulda. Professor Dr. Anatol Badach macht den mittelständischen Unternehmen Mut. „Der Internet-Telefonie gehört die Zukunft“ schwört er im Gespräch mit der Fuldaer Zeitung Stein und Bein. Badach sollte es wissen. Seit fast 30 Jahren ist er auf den Gebieten Informatik und Telekommunikation zu Hause. Der 59-jährige Petersberger unterrichtet an der Fachhochschule Fulda (FH) im Bereich Angewandte Informatik.
Welche Vorteile hat „Voice over IP“ für mittelständische Unternehmen?
Professor Badach: Betriebe, die langfristig auf VoIP setzen, können ihre laufenden Netzwerk-Kosten spürbar senken. Die Investitionskosten sind anfangs zwar relativ hoch, aber im Laufe der Zeit rechnen sich die Ausgaben. Mir ist ein Beispiel bekannt, in dem ein Unternehmen mit rund 50 Mitarbeitern die monatlichen Telefonkosten auf unter 1000 Euro verringern konnte. Besonderes Einsparpotenzial ergibt sich dann, wenn Firmen an verschiedenen Standorten tätig sind. In diesem Fall reduzieren sich die Übermittlungskosten erheblich. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass nur noch ein einziges Netz betreut werden muss – die klassische Datenkommunikation und die Telefonie verschmelzen. Auch so kann man sparen.
Welche Zusatzfunktionen sind durch die Internet-Telefonie verfügbar?
Badach: VoIP bringt bestimmte Mehrwerte beziehungsweise zusätzliche Intelligenz gegenüber der herkömmlichen Telefoniererei mit. Es ist möglich, ein Gespräch per Mausklick von der Oberfläche des Computers aus zu initiieren. Mit bestimmten Mitarbeitern oder Geschäftspartnern kann man ständig verbunden sein, ohne dass dadurch zusätzliche Kosten entstehen. Außerdem ist jeder Mitarbeiter unter einer einzigen Rufnummer jederzeit und weltweit erreichbar. Die Idee des virtuellen Büros wird so realisierbar.
Wie bedienerfreundlich ist die Internet-Technologie?
Badach: Bedienerfreundlichkeit wird großgeschrieben. Grafische Oberflächen, Symbole und verschiebbare Fenster machen VoIP zum Kinderspiel.
Hat VoIP auch Schwächen?
Badach: Bei der Internet-Telefonie muss man leider mit Spam (unverlangter, massenhafter Versand von Nachrichten) rechnen. Das heißt, dass Nutzer künftig mit unerwünschten Anrufen bombardiert werden könnten. Wir müssen dringend Lösungen entwickeln, um das zu verhindern.
Mit welchen Umstellungskosten muss ein mittelständisches Unternehmen rechnen?
Badach: Das lässt sich pauschal nicht sagen. Man unterscheidet die sanfte und die harte Migration zu VoIP. Bei der weniger radikalen Lösung können alte Komponenten der Telefonanlage weiter benutzt werden. Das ist natürlich billiger, als wenn man den vollständigen Schritt in die VoIP-Welt wagt.
Wie ist denn das gegenwärtige Angebot an VoIP-Lösungen?
Badach: Die Anzahl der Anbieter von Internet-Telefonie in Deutschland ist bereits auf 15 gestiegen. Die Telekom plant, ihr Festnetz bis zum Jahr 2012 fit für die neue Technologie zu machen.
Wie wird sich der VoIP-Markt entwickeln?
Badach: Bis zum Jahr 2010 werden rund 40 Prozent aller Unternehmen ihre Daten- und Sprachnetze zusammengeführt haben. Weil die VoIP-Dienste relativ neu sind, sind die erwarteten Wachstumsraten in der Branche extrem hoch. Nach Angaben des Marktforschers Infonetics Research sind beispielsweise im Jahr 2004 die Umsätze in Nordamerika im VoIP-Bereich auf 1,3 Milliarden US-Dollar gestiegen. Bis 2009 könnten sie sogar auf 20 Milliarden steigen. Durch VoIP werden die Grenzen zwischen Festnetz, Mobilfunk und Internet fallen.
Zum Thema: VoIP
Die Abkürzung VoIP steht für „Voice over Internet Protocol“ und bezeichnet das Telefonieren über ein Computernetzwerk auf der Grundlage des Internetprotokolls. Sprachsignale werden digitalisiert und können deshalb genauso wie Datensignale mittels eines Netzes übertragen werden. Im Unterschied zur klassischen Telefonie wird bei der Internet-Telefonie das Gespräch in kleine Pakete aufgeteilt. Während die Gesprächsqualität in der Anfangszeit noch recht bescheiden war, gibt es an ihr mittlerweile nichts mehr zu kritisieren. Privatanwender sollten ein hochwertiges Headset verwenden.
Quelle: Jochen Wieloch für www.fuldaerzeitung.de